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Ostern 2000 in New Yorkvon Dirk Taggeselli drag the city late at night. it's in my mouth it's in my hair. »Wenn man als Deutscher ins Ausland kommt, weiß man nicht, ob man sich benehmen soll, oder ob schon Deutsche da waren« meinte seinerzeit Kurt Tucholsky. Nun, für New York erübrigt sich diese Frage eigentlich. Ich beschloß allerdings, mich trotzdem zu benehmen, was diejenigen, welche mich zu kennen das zweifelhafte Vergnügen haben, nicht wundern wird. Doch noch wenige Tage vor der Reise war überhaupt nicht klar, ob sie stattfinden wird. Naja, auf die Idee, über Ostern nach New York zu fliegen, sind halt nicht nur Jimmy, Petra und ich sondern auch andere gekommen. Und wenn einem erst eine Woche vorher einfällt, Ostern unbedingt in NYC verbringen zu wollen, hat man eben nicht mehr die freie Wahl von Hotel und Flug. Letzterer war noch das geringere Problem, denn bei www.flug.de haben wir noch preiswerte Plätze bei der holländischen KLM bekommen. Die Hotelgeschichte wurde allerdings sehr teuer, denn in Manhattan gab es nur noch im Sheraton freie Zimmer. Und in Manhattan sollte man schon residieren, sonst muß man für alles was des Sehens wert ist, erst ewig umherfahren. Bereits gegen Ende des Atlantikfluges bekommt der gemeine Tourist von der Stewardess eine Anzahl Formulare ausgehändigt, welche die amerikanische Einwanderungsbehörde und der Zoll unbedingt in ausgefüllter Form sehen wollen. Dort werden so wichtige Fragen gestellt wie jene, ob man sich in den USA terroristischer Aktionen zu befleißigen gedenkt und eventuell gar Bomben, Schußwaffen oder Rauschgift mit sich führt. Muß man natürlich alles wahrheitsgemäß beantworten. Der Mann am Zollschalter führte nach einer geraumen Wartezeit (in eine 747 passen tatsächlich eine Menge Leute hinein) noch ein kurzes Schwätzchen mit mir (»Where do you come from?«, »What's your occupation?«, »Is this your first visit to the USA?«, blablabla), bevor er mir viel Spaß in New York wünschte und mich von dannen ziehen ließ. Jimmy und Petra wiedergefunden, kämpften wir uns zum Taxistand durch und warteten abermals, denn andere wollten auch Taxi fahren und hatten diese Idee schon vor uns. Doch des Wartens war nicht lang und schon quetschten wir uns in den Fond eines der gelben Ungetüme. Die Gelbe GefahrDas Taxifahren in New York unterscheidet sich doch auffällig von der Benutzung eines solchen in heimischen Gefilden. So sollte einen die Tatsache, daß in Manhattan die übergroße Mehrzahl der Autos gelb und damit Taxis sind, nicht glauben lassen, daß wenigstens eine der vielen freien Droschken auch vor einem hält, wenn man eine braucht. Etliche fahren trotz des illuminierten Taxischildes auf dem Dach ungerührt weiter und geben vor, den am Straßenrand wild gestikulierenden potentiellen Fahrgast gar nicht zu bemerken. Hat man dann Glück und einer der Taxidriver erbarmt sich tatsächlich, darf man im trotz der üppigen Außenabmessungen der Karossen ziemlich engen Fond platz nehmen. Jetzt versucht man, dem Taxifahrer begreiflich zu machen, wo man hin möchte. Der Manhattan-Unkundige meint vielleicht, daß das kein Problem sei, wenn man des Englischen halbwegs mächtig ist. Nun das ist im Prinzip richtig, nur gehören zum Englischsprechen mindestens zwei und der Taxifahrer häufig nicht dazu. Hat man das Fahrziel trotzdem irgendwie ausgehandelt und der Fahrer stürzt sich ins chaotische Verkehrsgewühl, findet man sich unversehens auf einer Holperpartie wieder, denn die Qualität von Manhattans Straßen ist der vergleichbar, die in der verblichenen DDR vorherrschte. Die genau unter der Rücksitzbank befindliche hintere Starrachse (Jawohl, in Amerika baut man immer noch Autos mit Starrachse) poltert und schlingert, was dem »Fahrvergnugen« (original amerikanische Vokabel, nur echt ohne Umlaut!) durchaus abträglich ist. Hinzu kommt der durchaus originelle Fahrstil der New Yorker Taxifahrer, der einem nicht allzu abgebrühten Fahrgast schon mal ein paar Tröpfchen jener Flüssigkeit auf die Stirn praktiziert, welche der menschliche Metabolismus ansonsten nur absondert, wenn man, bereits im Flieger sitzend, soeben bemerkt hat, daß man zu Hause Bügeleisen und Herdplatte nicht abgeschaltet hat. Auch ist jedes Taxi vorn und hinten mit massiven Gummipuffern ausgerüstet, deren Bestimmung man sich als Fahrgast gar nicht so genau ausmalen möchte. Die auf der Trennscheibe zwischen Fahrer und Passagieren befindliche Mitteilung »Buckel up!« gerät somit zum willkommenen Hinweis (Beim Redigieren fiel mir auf, daß es natürlich »buckle up« heißen muß. Jetzt muß ich andauernd darüber nachgrübeln, was mir mein Unterbewußtsein mit dieser Fehlleistung wohl sagen will. Scheißgrübelei ...). Im übrigen scheint die hinter den Vordersitzen eines New Yorker Taxis befindliche Trennscheibe tatsächlich zum Schutze des Fahrers vor seinen Passagieren zu dienen. Es ist nämlich durchaus schwierig, durch ein Fenster von den Ausmaßen einer Postkarte dem Fahrer eine physische Wertschätzung seiner rüden Fahrweise in Form einer Watschen zukommen zu lassen. Meinen obigen Ausführungen zum Trotz erreichen die Taxis erstaunlich oft ihr Ziel. Man sollte jedoch nicht glauben, daß sich der Fahrer bei seinen Passagieren bedankt, egal wie viel »Tip« man ihm zukommen läßt. Unsere ResidenzIn Hotels wie dem Sheraton, in welchem wir zu logieren geruhten, wird man gewiß zuvorkommend und aufmerksam behandelt. Sehr aufmerksam sogar. Richtig aufmerksam. So aufmerksam, daß der Hotelpage, der unser Gepäck auf unsere (nebeneinanderliegenden!) Zimmer brachte, mir in mein Zimmer zu folgen versuchte, nachdem er von Jimmy bereits sein »Tip« bekommen hatte. Sofort hub der dienstbare Geist an, mir irgendwas von der hervorragenden Qualität des hiesigen Trinkwassers zu erzählen (das im übrigen erbärmlich nach Chlor stinkt). Gewiß dachte er, von mir nochmals ein oder zwei Scheinchen zu bekommen. Mir erschien das unverschämt und er glaubt jetzt, daß die Germans nicht nur ugly sondern auch geizig sind. So what! Trotz der durchaus schwindelerregenden Zimmerpreise sollte man seine Erwartungen an die Größe eines typischen New Yorker Hotelzimmers vorsichtshalber schon mal halbieren und dann nochmal um 50% reduzieren. Platz ist in Manhattan anscheinend unglaublich teuer. Ein Doppelbett, ein Schreibtisch, ein Bild mit schwülstigem Goldrahmen an der Wand und mit etwas Glück konnte ich mich sogar bis zum Fenster durchschlängeln. Die Perspektive aus selbigem war allerdings nicht schlecht, immerhin der fünfzehnte Stock, die fotografischen Dokumente beweisen es. Am nächsten Tage liefen wir trotz des Sauwetters die wenigen Blocks bis zum Empire State Building. Schon im Untergeschoß, wo sich der Ticketschalter befindet, klärte uns die Anzeigetafel über die Vergeblichkeit unseres Unterfangens auf: »Observatory: Zero sight«. Wir kauften uns immerhin jeder einen Citypass, was für jeden Touristen eine weise Entscheidung ist: Dieser Citypass beinhaltet Karten für einen ermäßigten und vor allem schnelleren Eintritt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Manhattans, denn der Preis des Citypasses ist um einiges geringer als die Summe der Eintrittspreise, falls man die Tickets einzeln vor Ort kauft. Das lohnt sich selbst dann, wenn man ein oder zwei der im Pass enthaltenen Örtlichkeiten ausläßt. Das MOMADen Nutzen des Citypasses konnten wir wenige Minuten später verifizieren, als wir uns pfützenspringend bis zum »Museum Of Modern Art« durchgekämpft hatten. So ein Museum ist bei schlechtem Wetter eine feine Sache und genauso dachten außer uns auch eine Menge anderer Leute: Die Schlange derer, die Einlaß begehrten und nach Tickets anstanden, reichte bis hinaus, unter dem Vordach entlang und die letzten standen im Regen (na gut, das ist ja fast immer so). Wir jedoch -- mit dem Citypass -- ließen die Schlange links liegen und fuhren bereits eine Minute später die Rolltreppe hinauf zur gerade aktuellen Ausstellung »Useless Science«. Die hier ausgestellten Werke sind zum großen Teil Installationen aus den dreißiger bis sechziger Jahren und stammen von bekannten Künstlern wie den Dadaisten Marcel Duchamps und Max Ernst oder dem Amerikaner Alexander Calder. Da rotieren Scheiben mit Spiralmuster, angetrieben von einem prähistorischen Nähmaschinenmotor, sind Sperrholzraketen zu sehen und werden bunte Kügelchen von Fädchen an Drähtchen entlanggezogen. Unnütze Wissenschaft halt, aber zweifellos originell und damit Kunst. Der interessanteste Teil des MOMA jedoch ist eine Etage darunter zu bewundern: Die Ausstellung »Modern Living« ist ganz dem Bauhaus gewidmet und es ist erstaunlich, welch zeitlos schöne Objekte bereits in den dreißiger Jahren gestaltet wurden. Darunter sind solche bekannten Designklassiker wie Ludwig Mies van der Rohes Chaiselongue »MR« oder auch Gerrit Rietvelds Stuhl »Rot und Blau«, der deutliche Einflüsse Piet Mondrians zeigt, wenngleich dieser vor allem die Schräge der Sitzfläche und Lehne kritisierte. Was nicht verwundert, kennt man doch Mondrian als den Mann des Rechten Winkels, was auch etliche seiner Bilder beweisen, die im gleichen Stockwerk des MOMA zu besichtigen sind. Allerdings zeigt sich in seinem Werk doch eine starke Tendenz zur Wiederholung. Der Kunstkenner wird natürlich einwenden, daß diese Bemerkung banausenhaft sei und Mondrian sich in seinen Werken halt oft selbst zitiert habe. Insgesamt ist das MOMA für den Liebhaber moderner Kunst ein unvergleichlich sinnliches Erlebnis und auch ich konnte einen zweiten Besuch des Museums ein paar Tage später nicht vermeiden. Ach, fast hätt' ich es vergessen: Kandinskys! Kandinskys in rauhen Mengen. Im MOMA scheint die wichtigste Phase des deutsch-russischen Genies recht umfangreich dokumentiert zu sein (die Kandinsky-Sammlung im Münchner Lenbachhaus beinhaltet dagegen »nur« Landschaftsgemälde aus seiner Zeit in Bayern während seiner Romanze mit der Malerkollegin Gabriele Münter). Mit Eindrücken übersättigt, verließen wir das MOMA und suchten uns ein Restaurant, unsere Energievorräte aufzufüllen. Danach schlichen wir, den breiten Pfützen auf noch breiteren Fußwegen ausweichend, ins Hotel zurück, um uns erstmal etwas auszuruhen, denn der Abend sollte noch lang werden. Weil wir gerade von Baghdad reden: Normalerweise baut man Fußwege so, daß sie zur Straße hin leicht abschüssig sind, damit das Regenwasser in den Rinnstein laufen kann. In New York scheint man dieses Prinzip noch nicht verinnerlicht zu haben, denn an sehr vielen Stellen sammelte sich das Wasser in riesigen Lachen mitten auf dem Fußweg, was jenen Passanten, die sich nicht rechtzeitig mit Gummistiefeln ausgerüstet hatten, groteske Sprünge zum Schutze ihres Schuhwerkes abverlangte. Wie auch immer, der Plan für den Abend sah den Besuch eines von New Yorks berühmtesten In-Schuppen vor. LimelightSeit ich Manhattan gesehen habe, weiß ich, daß sich sakrale Bauten wider Erwarten einer sinnvollen Verwendung zuführen lassen. So hat man im Flatiron-District (660 Sixth Avenue, Ecke 20th Street) eine frühere Kirche zu einem durchaus veritablen Technoschuppen umfunktioniert. Im Kirchenschiff zappeln die Tanzwütigen, am Altar gibt es das, was in Gottes Eigenem Land für Bier gehalten wird, und in der Sakristei läßt sich vorzüglich chillen. Ob es teuer war? Nun, ich kann mich daran nicht mehr so genau erinnern. Der Mensch hat die Eigentümlichkeit, traumatische Erfahrungen aus seiner Erinnerung weitgehend auszublenden. Wir durften außerdem vom Geschäftsführer des Etablissements lernen, daß es verboten ist, im Limelight fotografische Aufnahmen zu tätigen. Das lernten wir allerdings erst, als Jimmy seine Kamera schon ordentlich gefüttert hatte, was wir natürlich vor dem Obermotz verheimlichten. Im Limelight wurde mir auch eines der Erlebnisse zu teil, das anscheinend jeder amerikabesuchende Europärer machen muß: mich mit irgendeinem Typen unterhaltend, fragte der, wo ich herkäme. »From Munich, Germany«, erwiderte ich. Worauf er sich erblödete: »Oh yes, it's the capital!«. Geographie sechs, setzen! Intrepid Sea Air Space MuseumAm Hudson River, an der Westseite Manhattans liegt ein alter Flugzeugträger - die Intrepid - vertäut. Clevere und patriotische Geschäftsleute haben daraus ein Museum der jüngeren amerikanischen Militärtechnik gemacht, etliche ausrangierte Kampfflugzeuge und Hubschrauber auf dem ehemaligen Flugdeck arrangiert und am Nebenkai sogar ein altes U-Boot - die USS Growler - seinen letzten Hafen finden lassen. Im Unterdeck der Intrepid, das früher die Flugzeuge beherbergte, sind weitere Exponate zu sehen, u.a. Modelle der ersten U-Boote, ein oder zwei Kampfjets und noch einiges mehr. Die Intrepid ist gewiß kein »muß« für den Touristen, aber da der Eintritt im Citypass enthalten ist, kann man sich das Ganze auch gleich ansehen und einmal auf der Brücke eines Flugzeugträgers stehen. Das neben der Intrepid liegende U-Boot kann man leider nur per Führung besichtigen, was längere Wartezeiten nach sich ziehen kann, wenn man eine der Führungen um wenige Minuten verpaßt hat. Uns geschah genau dies und so gaben wir vor, an U-Boot-Besichtigungen nicht interessiert zu sein und zogen von dannen. CarolinesAm Abend des gleichen Tages besuchten wir das »Carolines«, ein Kabarett, wie man es im Deutschen nennen würde. Im Carolines machten schon etliche berühmte Stand-Up-Comedians ihre ersten Witze, unter anderem auch Jerry Seinfeld. Seltsamerweise scheint der Gute keine offizielle Website zu betreiben. Das ist um so verwunderlicher, als in USA bereits jeder Hot-Dog-Stand einen URL auf den Sonnenschirm gepinselt hat. Na gut, wenn Jerry halt nicht will ... Auf jeden Fall ist das Carolines einen Besuch wert, auch wenn der Eintritt - wer hätte es gedacht - nicht gerade billig ist. Typischerweise treten innerhalb einer Show mehrere Comedians auf, die einen Besuch des Carolines zu einem gelungenen Abend werden lassen. Empire State BuildingUnser zweiter Anlauf, die Aussichtsplattform des wohl berühmtesten aller Skyscraper Manhattans zu besuchen, war erfolgreich, da das Wetter sich etwas gebessert hatte. Die Sonne schien zwar immer noch nicht, aber wenigstens hing die Spitze des Gebäudes nicht mehr im Nebel, wie beim ersten Versuch. Generell muß man sich beim Besichtigen des Empire State Buildings wie auch der Aussichtsplattform des World Trade Centers auf eine gehörige Wartezeit einrichten. Schließlich ist Manhattan das ganze Jahr hindurch von Touristen überlaufen und jeder einzelne davon will natürlich mal einen Blick von oben erhaschen auf die Stadt, die niemals schläft. Eine Stunde sollte man schon einkalkulieren, bis man vor dem Metalldetektor Fotoapparat, Handy und Schlüsselbund in die Plastikschale legen darf, beim Durchschreiten des Torbogens einen weithin hörbaren Sirenenton auslöst und deshalb nochmals mit einem Hand-Detektor abgetastet wird. Man könnte ja schließlich was Böses vorhaben. Auf der Aussichtsplattform herrschte zeitweise leichter Nieselregen und die ganze Zeit über ein recht häßlicher Wind. Die Aussicht allerdings war brauchbar genug, um mindestens eineinhalb Filme zu verknipsen. NaturkundemuseumWestlich des Central Park befindet sich das »Museum of Natural History«, auf gut Deutsch: das Naturkundemuseum. Bereits auf den Treppenstufen vor dem Museum ergab sich ein für Europäer recht ungewohnter Anblick: eine große Menge schwarzgewandeter, schwarze Hüte aufhabender und lange Schabbeslocken tragender orthodoxer Juden hatte offenbar das Museum als würdig für ihren ostersonntäglichen Ausflug befunden. Auffallend dabei waren vor allem die jüngeren Juden, die bezüglich ihrer Schabbeslocken eine unerwartete Kreativität entwickelten. Die früher spiralig gedrehten Locken werden heute schon mal durch breite blondierte Strähnen ersetzt. Leider hatte ich meinen Fotoapparat nicht am Mann. Das Museum selbst ist genauso interessant wie groß, so daß man sich vorher überlegen sollte, was man sich ansehen möchte, denn alles an einem Tag ist nicht zu schaffen. Was auf jeden Fall des Sehens wert sein muß, ist das Space Center (???). Leider wissen das auch alle anderen und so bekamen wir, die wir erst am frühen Nachmittag kamen, keinen Einlaß mehr. River CaféEs gibt in New York etliche sehr schöne Plätze und das River Café gehört definitiv dazu. Es liegt direkt neben der Brooklyn Bridge an deren östlichem Ende (in Brooklyn) auf einem Hausboot. Das Wort »Hausboot« sollte allerdings keine falschen Assoziationen wecken. Der City Guide meint: »Jacket required, ties preferred« und davon abgesehen sollte man unbedingt vorbestellen und zwar einen Tisch am Fenster, vorzugsweise für ein Dinner. Das hat für uns dankenswerterweise der Concierge des Sheraton übernommen. Die Tatsache, daß wir erst einen Tag vorher reservieren ließen und trotzdem einen Fensterplatz bekamen, ist durchaus ungewöhnlich. Normalerweise sind die Plätze schon recht lange im Voraus reserviert. Offenbar hat es halt doch ein oder zwei Vorteile, in einem guten Hotel zu logieren. Im River Café am Fenster sitzend genossen wir ein atemberaubendes Panorama der nächtlichen Skyline von Downtown Manhattan, was ich durch etliche Fotos versuchte zu dokumentieren. Über die Preise sollte man großzügig Schweigen bewahren, man hat ja eine Kreditkarte. Genauer gesagt: Jimmy hat eine und er war so generös, mich einzuladen. World Trade CenterDie zwei 412 Meter hohen und 1973 vollendeten Türme des »World Trade Center«, deren Architekten sich sämtlichen gestalterischen Zierats enthielten, gaben mit Fertigstellung ihres Werkes der Skyline von Downtown Manhattan ihr heutiges imposantes Erscheinungsbild. Der Führer des »American Institute Of Architects« schimpft sie zwar »banale Monolithen«, aber über Geschmack läßt sich bekanntlich trefflich streiten. Meiner Ansicht nach tat der Verzicht auf Schnörkel, Türmchen, Erkerchen und was sich ein gelangweilter Architekt sonst noch ausdenken mag, dem Bauwerk durchaus gut. Klar, schlicht und ohne Manierismen ragen die Türme in Downtown Manhattan in den Himmel. Kaum fertiggebaut, war man mit Superlativen nicht sparsam und rühmte sich des »höchsten Bauwerkes der Welt«. Das war zwar damals schon falsch, gab es doch bereits den - mittlerweile fast abgefackelten - Moskauer Fernsehturm mit 540 Metern Höhe (er wurde in den späten 60ern fertiggestellt). Doch die Freude währte eh' nicht lang, den noch im gleichen Jahr mußten sich die Twin Towers dem Sears Tower in Chicago mit seinen 443 Metern Höhe geschlagen geben. Das höchste Gebäude (Türme augenommen) der Welt ist mittlerweile in Malaysia zu finden. Zumindest ich assoziiere mit Malaysia zwar eher "hölzerne Bruchbuden auf Stelzen an einer dreckigen Kloake von Fluß", aber die Petronas Towers sind tatsächlich die höchsten Wolkenkratzer und unter anderem im Film »Entrapment« zu ihrer wohlverdienten Ehre gekommen. Wenngleich die eigentliche Attraktion dieses Filmes unzweifelhaft die bezaubernde, zuckersüße Catherine Zeta-Jones ist. Aber ich schweife ab ... Der Blick von der Aussichtsetage im südlichen Turm ist zweifelsohne für jeden Touristen absolut unverzichtbar. Wer Glück hat und die Wetterlage erlaubt es, darf sogar auf die darüberliegende Aussichtsplattform und den Rundblick ohne störende Fensterscheiben genießen. Wer weniger als zwei Filme verknipst, ist ein elender Geizhals. Wir _hatten_ Glück und das Wetter war phantastisch. Wie man spätestens jetzt deutlich bemerken kann, bin ich ein Rechtschreibreformverächter. Und ein Geizhals. Gern vergißt man, daß zum kompletten Ensemble des World Trade Center noch die vier »relativ« kleinen Türme des World Financial Center gehören. Der gesamte Komplex umfaßt also ein stattliches Areal. Und als man 1966 mit den Tiefbauarbeiten der Anlage begann, suchte man eine bequeme Möglichkeit, sich der insgesamt eine Milliarde Kubikmeter Erdreichs zu entledigen. Ein findiger Kopf hatte den Einfall, den ganzen Schutt gleich neben der Baurube in den Fluß zu kippen und die neugewonnenen 37 Hektar Land den New Yorkern als »Battery Park City« anzudienen. Wall Street NYSEHier an der Wallstreet befindet sich angeblich der Nabel der Börsenwelt. Der gemeine Tourist wird das Parkett allerdings nur vom kugelsicher vollverglasten Besucherbalkon aus betrachten können. Längeres Verweilen ist dabei fast unmöglich, da der anhaltende Besucherstrom einen fast unweigerlich binnen zehn Minuten wieder zum anderen Ende der Galerie hinausdrängt. Auffällig sind im Handelssaal die allgegenwärtigen Monitore und LC-Displays, welche surrealen Kronleuchtern gleich an vielen Stellen von der Decke hängen. Die im Vorraum befindlichen umfangreichen Infoterminals beeilen sich auch, dem interessierten Besucher zu versichern, daß an der NYSE die größte Rechenkapazität abseits der bekannten und weniger bekannten Three-Letter-Authorities versammelt sei. Der Blick vom Besucherbalkon ist zweifellos beeindruckend: Wenn man sieht, wie viele Broker wie viele der Displays zugleich zu beobachten versuchen und wenn man sieht, wie diese Typen umeinander herumwuseln, sich gegenseitig irgendwelche Dinge zurufen und zur selben Zeit an jedes Ohr einen Telefonhörer pressen, in die sie abwechselnd irgendwas hineinbrüllen, ist man spontan versucht, sie zu bemitleiden. Wenigstens solange, bis man erfährt, welch obszönes Salär diese scheinbar armseligen Wichte (und Wichtinnen) allmonatlich abziehen, nicht eingerechnet die fetten Boni zum Jahresende. Trotzdem möchte ich nicht mit ihnen tauschen. Nicht nur deshalb, weil ich es bereits als Belästigung empfinde, an einem Arbeitstag mehr als zwei Mal das Telefon bemühen zu müssen und mich allein der Gedanke, tagtäglich unablässig mit zwei Telefonen zugleich zu telefonieren, schlechte Träume befürchten läßt. Brooklyn BridgeDie Brooklyn Bridge ist zweifellos eines der bekanntesten Wahrzeichen New Yorks. Da ausnahmsweise schönes Wetter war, packte ich die Gelegenheit beim Kragen und spazierte von Wall Street aus die wenigen Blocks zur westlichen Auffahrt der Brücke. Gebaut wurde sie von 1869 bis 1983 durch - wer hätte es gedacht - einen Deutschen: Johann Augustus Roebling schloß am Berliner Königlichen Polytechnikum sein Ingenieurstudium ab und verfügte sich alsbald nach Amerika. Da er nicht viel später schon eine Drahtseilfabrik sein Eigen nannte, nahm es nicht wunder, daß seine Werke ausnahmslos Hängebrücken waren. Um mit Meister Röhrich zu sprechen: »Arbeit zieht Arbeit nach sich«. Leider verletzte sich Roebling während der Arbeiten an der Brücke und starb binnen dreier Wochen am Wundstarrkrampf, worauf sein Sohn Washington und dessen Frau Emily den Bau fertigstellten. Der Sohnemann hatte allerdings auch nicht übermäßig viel Glück, denn er zog sich während der Visite in einem der zum Brückenbau nötigen Caissons eine Taucherkrankheit zu, an der er den Rest seines Lebens herumlaborierte. Für den Fotografen ist die Architektur der Brücke im Verein mit der Skyline von Downtown Manhattan ein dankbares Opfer. Bilder ähnlich den meinen finden sich deshalb in jedem New-York-Stadtführer. Staten Island FerryDer Besuch der Freiheitsstatue erschien mir nicht übermäßig interessant. Mein ADAC-Reiseführer wußte von stattlichen Warteschlangen derer zu berichten, die im Inneren der Statue bis zum Dornenkranz emporkraxeln, um den Ausblick zu genießen. Wer genau beobachtet, weiß jedoch, daß die Statue in Richtung Meer blickt. Somit wird man aus den Fenstern im Kopf der Statue of Liberty nichts weiter als Wasser und vielleicht noch die Verrazano-Brücke sehen. Dafür lohnt das Warten garantiert nicht und die Aussichtsplattform in der Fackel ist für normale Sterbliche gesperrt. Wie mir mein Reiseführer empfahl, nahm ich statt dessen die Staten Island Ferry, welche als inzwischen komplett kostenloses reguläres Verkehrsmittel Menschen und Autos zwischen Manhattan und Staten Island hin- und herkarrt und genoß die Überfahrt bei noch schönem Wetter, das sich jedoch gerade verabschiedete, um erst an meinem Abreisesamstag wiederzukehren. Das Wetter betreffend fiel mir auf, daß die Yahoo-Prognosen erstaunlich zutreffend waren. Noch in München wollte ich wissen, ob während meines Urlaubes auch die Sonne schiene, mußte mich jedoch laut Yahoo auf mindestens durchwachsenes Wetter einstellen. Die Yahoo-Wetterfrösche beeilen sich mit der den Amerikanern eigenen Bescheidenheit auch, die angeblich überduchschnittlich genauen Prognosen durch ein neuartiges und revolutionäres Verfahren zu begründen. Anscheinend ist dieses recht brauchbar, denn die Prognosen trafen für jeden einzelnen Tag fast exakt zu. Aber ich schweife schon wieder ab ... Mein etwa zwei Jahre alter ADAC-Reiseführer weist darauf hin, daß die meisten der Fährschiffe kein offenes Deck besitzen. Lediglich bei den zwei Schiffen älterer Bauart könne man im Freien sitzen. Diese Fähren scheinen jedoch inzwischen außer Betrieb zu sein. Das ist allerdings halb so schlimm, denn beim Betreten des Schiffes stellt man sich einfach direkt am Ende der Rampe an das Heck (oder den Bug) und geht nicht durch die Türen, welche zu den geschlossenen Decks führen. Hier heißt es allerdings schnell sein, den diese Idee haben andere auch. Die Fähren schippern von der Südspitze Manhattans (»Port Authority«) an Liberty Island mit der Freiheitsstatue vorbei und passieren Ellis Island, auf dem zu Zeiten der großen Einwanderungswellen über das Schicksal der Immigranten entschieden wurde, wovon heute noch ein Museum kündet. Auf Staten Island kann man sich zwar Verschiedenes ansehen, für mich allerdings war das von nur minderem Interesse und so verließ ich die Fähre erst gar nicht, sondern fuhr direkt zurück nach Downtown Manhattan. Ich wollte ja nur ein paar Fotos der Art "Downtown Manhatten von Süden" schießen. Die meisten gebildeten Europäer wissen, daß die Statue of Liberty ein Geschenk der Franzosen an die USA war. Die wenigsten wissen jedoch, daß die von Frederic Auguste Bartholdy und Gustave Eiffel (Ja, der mit dem Turm!) geschaffene Figur ein Danaergeschenk war: Die Figur wurde in Frankreich gefertigt, in handliche Stücke zerlegt und in 200 Kisten verpackt, um sie über den Atlantik zu transportieren und in Amerika wieder aufzubauen. Der Sockel der mit damals 600000 Francs immens teuren Liberty mußte jedoch von den Amerikanern gefertigt werden, das hatten die Franzosen verlangt. Leider kostete der Sockel genau so viel wie die Statue selbst, was die New Yorker wenig entzückte. So kam es, daß immer noch 100000 Dollar fehlten, als die Kisten mit den Einzelteilen schon im New Yorker Hafen lagen. Hilfe nahte in Gestalt von Joseph Pulitzer, der eine Spendenaktion ins Leben rief, die es jedem Spender ermöglichte, seinen Namen in Pulitzers Zeitung gedruckt zu sehen. So hatten alle etwas davon: Pulitzer steigerte die Auflage seiner Zeitung, die Spender konnten sich in gedruckter Form verewigt sehen und das Geld für den Sockel war auch bald vollständig. Am 28. Oktober 1886 wurde die Freiheitsstatue offiziell eingeweiht. Central ParkIn Manhattans Mitte liegt der Central Park. In der den Amerikanern eigenen Bescheidenheit bezeichnen sie ihn auch gleich als den größten Park der Welt. Zumindest wir Münchener wissen jedoch, daß das Blödsinn ist: in Wahrheit ist nämlich der Englische Garten der größte Park der Welt. Obwohl, bei genauerer Betrachtung kommt es natürlich auf die Definition an. Was die Zahl der angestellten Landschaftspfleger anbetrifft, mag der Central Park vielleicht doch der größte der Welt sein. Denn in der Tat sind dort ständig eine Menge Leute zu sehen, die Rasen mähen, Drahtzäune richten, Hecken schneiden und all das tun, was sonst noch so alles in einem Park zu machen ist. Das bleibt auch nicht ohne Ergebnis, denn Manhattans Central Park ist wirklich sehr gepflegt und schön anzusehen. Vielleicht sogar ein bischen zu schön und zu gepflegt, denn ab und zu kann man der Natur auch mal ihren Lauf lassen. Meine ich. Auf jeden Fall sollte man sich ruhig mal einen Tag bei schönem Wetter für den Central Park Zeit nehmen. Vielleicht sollte man seine Wanderung am besten im Süden anfangen, dort wo die Kutschen stehen, am "Central Park South", wie die Straße heißt. Allerdings ist es nicht unbedingt zu empfehlen, sich am Wochendende im Park zu ergehen. Dann herrscht dort nämlich der blanke Streß: Joggen, biken, skaten, power walken und was man sich sonst noch an öffentlich vorzeigbaren Varianten der persönlichen körperlichen Ertüchtigung vorstellen mag, ist angesagt. Wer seine Ruhe will, ist woanders besser aufgehoben. Es gibt ein oder zwei Stellen im Central Park, die man sich angesehen haben sollte. So beispielsweise die "Strawberry Fields": Am Central Park West, in einem der eindrucksvollen Appartementhäuser, wohnte John Lennon mit seiner Frau Yoko Ono. Eines Tages -- wir erinnern uns alle noch des darauffolgenden unerträglichen Medienhypes um den Altbeatle -- wurde er vor einem Verrückten direkt vor seinem Hauseingang erschossen. Yoko legte später in einem kleinen Teil des Central Park in der Nähe des Appartementhauses die "Strawberry Fields" an, als eine Art Gedenkstätte an John Lennon. Strawberry Fields ist eine wunderschöne gartenähnliche Landschaft mit einem kleinen Platz in ihrer Mitte, der eine in den Boden eingelassene, bronzene Gedenkplatte birgt. Weiter im Süden des Parkes liegt eine weitere Sehenswürdigkeit: die "Tavern On The Green", eine Gaststätte, die man vorzugsweise gegen Abend besuchen sollte, da der Eigentümer die komplette Jahresproduktion Hongkongs an Lichterketten an sämtlichen Bäumen auf dem Grundstück des Restaurants verbastelt hat. Sieht abends unheimlich romantisch aus ("hach ...") und lohnt sich doppelt, wenn man zufällig die Freundin dabeihat. Neues HotelDa mir das Sheraton mit der Zeit doch etwas teuer wurde, suchte ich mir ein anderes Hotel und bemühte dafür den landesweiten »Hotel Reservation Service« (wer hätte das gedacht). Der konnte mir allerdings nicht besonders viel Auswahl bieten: ein Hotel am Kennedy Airport und eines in Manhattan, mehr war in ganz New York nicht zu bekommen. Da ein Hotel außerhalb Manhattans ziemlich umständlich ist, wenn man sich Manhattan ansehen will, nahm ich die zweite der angebotenen Herbergen in Anspruch, das »Hotel-on-the-ave« in der Upper West Side, Ecke Broadway und 77th Street, unweit des Naturkundemuseums. Die Einrichtung der Zimmer unterschied sich angenehm vom üblichen Eiche-Rustikal-Ambiente der etablierten Nobelherbergen: Heller Stoff und dunkles Holz bildeten einen angenehmen Gegensatz. Allerdings schienen die Wände nicht besonders dick zu sein: beim Versuch, mich in Ruhe meiner Lektüre zu widmen, wurde ich unfreiwilliger Ohrenzeuge diverser im Nebenzimmer stattfindender Begattungsakte. Die erste Serie weiblicher Lustschreie fand ich ja noch witzig, aber als ich überlegte, ob es sich lohnt, eine Strichliste zu führen, war meine Stimmung ganz und gar keine gehobene. Der eine Teil meiner Leser wird derartige lautliche Entäußerungen zu verschiedenen Anlässen bereits aus nächster Nähe gehört, der andere Teil wird der Wollust Schrei sogar selbst ausgestoßen haben. Doch während das Hören eines Solchen als aktiv an der Entstehung desselben Beteiligtem zweifellos ein Vergnügen ist, und das Ausstoßen derartiger Schreie hoffentlich ein Vergnügen ist und ehrlich gemeint, ist es ganz und gar kein Vergnügen, als unbeteiligter Dritter solcher wiederholter Aufführungen unfreiwillig teilhaftig zu werden. Das kann einem direkt den Abend versauen. Damit nicht genug: ich hielt es für geraten, den frühen Abend nun doch lieber auswärts zu verbringen und erinnerte mich, daß ein interessantes Etablissement namens "Hooters" ganz in der Nähe am Broadway (genauer: 211 West 56th Street, Ecke Broadway) zu finden ist. Dort angekommen, war wegen Bauarbeiten geschlossen ... Metropolitan Museum of ArtKunstsinnig, wie ich bin, mußte ich mir natürlich auch das Metropolitan Museum Of Art ansehen. Naja, wenigstens einen kleinen Teil davon, denn alles auf einmal ist mit einem einzigen Besuch nicht zu schaffen. So favorisierte ich die Abteilung europäischer Gemälde des 19. Jahrhunderts, welche mit Monets, Pissaros, van Goghs und dergleichen ausgestattet ist. Leider konnte ich den im Film »The Thomas Crown Affaire« gestohlenen Monet nicht finden, vielleicht gibt es ihn gar nicht. Genausowenig, wie es die stählerne Gittertür gibt, unter der Pierce Brosnan im Film durchkriechen muß. Ebenfalls erfunden sind die Sprinkleranlage und die metallenen Jalousien, welche die Bilder vor dem Wasser aus den Sprinklern schützen sollen. Irgendwie glaube ich jetzt, daß in den Filmen nicht alles ganz genauso ist, wie in der Realität ... Als Liebhaber der eher modernen Künste gebe ich es ja ungern zu, aber wer schon mal im Metropolitan Museum ist, sollte unbedingt den »American Wing« besichtigen. Dieser ist bis unter die Decke mit Landschaftsgemälden bekannter und weniger bekannter amerikanischer Meister vollgehängt. Die Bilder sind von einer derart betörend unwirklichen Schönheit und Idylle, daß ich für ein paar Momente sogar die nervigen und ständig um mich herumtappenden Besucher vergessen konnte. Natürlich würde ich niemals zugeben, daß mir Landschaftsgemälde gefallen. Gerechterweise sollte man für dieses Museum mindestens zwei Tage einplanen. Besser noch, man verteilt die Besuche auf zwei New-York-Reisen. So hat man wenigstens einen Grund, wieder mal über den Teich zu fliegen. "Don't wrong Wright!"Nettes Wortspiel, leider nicht von mir. Nun, jedenfalls geht alles irgendwann zu Ende und so interessant die Woche in New York auch war, ich war nicht einmal unglücklich darüber, wieder heimzufliegen. Inzwischen war Samstag und ich war in der vergangenen Woche mehr gelaufen als in den letzten fünf Jahren zuvor. Da der Flug allerdings erst abends ging, hatte ich noch genügend Zeit für eine Wanderung quer durch den Central Park zum Guggenheim-Museum. Es war Samstag und schönes Wetter, also schienen tatsächlich alle Freizeitsportler New Yorks im Park unterwegs zu sein. Die Durchquerung des Parks ist auch zu Fuß nur eine Sache von fünfzehn Minuten und so stand ich bald vor dem vom bekannten Architekten Frank Lloyd Wright gebauten Museum mit der bekannten runden Silhouette. Es beherbergt unter anderem neben einer Reihe zeitlich begrenzter Sonderausstellungen eine der größten Kandinsky-Sammlungen. Nicht zuletzt deshalb wollte ich mir das Guggenheim einmal ansehen. Was die Sonderausstellungen anbetraf, hatte ich Pech: Das gesamte Foyer inklusive der spiralförmigen Galerie hatte der koreanische Videokünstler Nam June Paik okkupiert, dessen Installationen ich überhaupt nichts abgewinnen kann. So sah ich mir einige der im Anbau ausgestellten Picassos, Pissarros und Monets an, um schon nach zwei Stunden wieder an die frische Luft zu gehen. Irgendwie hatte ich keine Lust mehr und wollte überhaupt nichts mehr sehen. Keine Picassos, keine Pissaros, auch keine Kandinskys. So setzte ich mich für den Rest des Nachmittages an eine ruhige Stelle in den Central Park, ehe ich meinen Koffer aus dem Hotel holte und mich mit dem Taxi zum Kennedy-Airport kutschieren ließ. Auf dem Rückflug nach Amsterdam muß ich wohl einen etwas exzentischen Eindruck hinterlassen haben. Saß ich doch trotz gedämpfter Beleuchtung mit Sonnenbrille in meinem Sessel. Das tat ich jedoch nicht freiwillig: in der Verkleidung über den Sitzen sind Belüftungsdüsen eingelassen, mit denen man sich Frischluft ins Gesicht pusten lassen kann. Eigentlich eine tolle Sache, denn in einer vollbesetzten Economy-Klasse ist die Luft nicht die allerbeste. Aber normalerweise kann man diese Düsen auch abstellen. Nicht so das bösartige kleine Ding über meinem Sitz. Es bestand darauf, mich ohne Unterlaß mit frischer Luft zu versorgen, die es mir allerdings direkt in die Augen pusten wollte. Irgendwann hatte ich auch diesen Flug überstanden und wieder zu Hause in München, überlegte ich mir schon, wohin denn die nächste Urlaubsreise gehen sollte ...
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